Traditionelle chinesische Medizin und Schulmedizin
Ich bin Ärztin in Weiterbildung zur Gynäkologin und TCM Therapeutin und Qi Gong Lehrerin. Zu manchen Zeiten im Verlauf meiner Ausbildungen war das Spannungsfeld zwischen traditionell chinesischer Medizin und der Schulmedizin sehr schwer für mich zu ertragen. Beide Ausbildungen verliefen zwar parallel in meinem Leben - aber ich hatte das Gefühl, ich müsste die beiden Welten so gut voneinander trennen, wie ich es nur irgendwie könnte.
Und das ist eigentlich sehr schade, denn: beide Welten ergänzen sich ganz hervorragend.
Ich habe sehr lange nach der TCM gesucht, während ich bereits im Studium der Humanmedizin war, habe mir einiges an zur Schulmedizin alternativen Traditionen angeschaut, denn für mich war immer klar: die Schulmedizin kann sehr viel, aber bei dezenten Erkrankungen, die zwar belasten aber die Funktionsfähigkeit nicht total einschränken oder bei vielen vielen chronischen Erkrankungen kann sie nicht gut helfen. In meinem Konzept muss sich häufig ein ganzer Haufen an Umständen verändern, damit eine Krankheit, die mich ergriffen hat, wirklich ausheilt. Die Gabe von Tabletten hat mich selbst leider immer nur kurz erlöst, wenn sie mir auch für den Moment häufig großartig gedient haben. Klar ist auch: sollte ich mal einen Unfall haben oder aus einem anderen Grund eine OP brauchen, bin ich sehr dankbar, wenn ich diese in Anspruch nehmen kann.
Die ÄrztInnen die ich bisher in meiner Arbeit erlebt habe sind häufig schlichtweg nicht ausreichend ausgebildet in komplementären Verfahren und grenzen sich dann ab von jeglicher Alternative. Bestimmt spielt noch mehr hinein, denn selbst bei erfolgter Ausbildung ist die Arbeitsdichte mittlerweile so hoch in den Kliniken, das das Angebot einer komplementären Beratung nicht erfolgen kann. Es sind wirklich keine Kapazitäten vorhanden - und somit muss man schon idealistisch sein, wenn man ohne finanziellen Anreiz und ohne sichtbares Tätigkeitsfeld losgeht, um sich auf eigene Kosten mit komplementärer Medizin zu befassen.
Ich habe bereits vor meinem Studium so einen starken Idealismus und inneren Antrieb erlebt, dass es für mich keine andere Wahl gab und bis heute gibt, um immer wieder auf die Suche zu gehen nach Alternativen. Glücklicherweise habe ich im Verlauf auch andere Ärztinnen kennen gelernt, die dazu motiviert sind und mit großen Schritten in spannende Richtungen gehen (man findet sie unter mindfulmedicalwomen.de). Zum ersten Mal richtig angekommen bin ich in einer am Ende insgesamt 5 jährigen Ausbildung der traditionell chinesische Medizin. Das besondere hierbei war, das für mich die Lehren und das Wissen der TCM wirklich erfahrbar geworden sind. Und durch die Zeit, die ich mit ihnen verbringen durfte sind sie irgendwie in mich eingezogen....
Im Bereich der TCM gibt es weniger hochwertige Studien und das ist okay für mich. Eine vermutlich 5.000 Jahre alte Behandlungspraxis ist für mich kein Trend und ich denke diese Erfahrungen sollten gehört und weitergegeben werden. Die Schulmedizin ist eine sehr junge Tradition mit so in etwa 100 Jahren, die sie besteht und sich auf die Art und Weise entwickelt, die wir aktuell kennen.
In der Schulmedizin werden Wirksamkeiten natürlich viel häufiger mit Studien belegt, nicht mit individuellem Erleben - doch immer wieder wird auch beim Lesen von Leitlinien klar: für vieles gibt es keine Studien, uns geht die "Evidenz" manchmal aus und was bleibt sind dann sogenannte "eminenzbasierte" Empfehlungen. Das bedeutet: sehr vieles, was in der Schulmedizin empfohlen wird beruht am Ende auch auf Erfahrungen einzelner oder kleiner Gruppen. Ich finde auch diese Bereiche des Wissens sind deshalb wirklich nicht schlechter - ich habe mich in meiner gesamten Praxis gerne auf Erfahrungen und Einschätzungen von meinen Oberärztinnen verlassen und habe es auch immer als sehr wertvoll erlebt, dass sie diese Erfahrungen bereits gemacht haben und mich daran teilhaben ließen. Es gibt viele Situationen, in denen das geschriebene Wort zu starr und nicht hilfreich ist und somit gemeinsam mit den PatientInnen Optionen gesucht werden müssen, die zu ihnen passen.
Insgesamt möchte ich mit diesem Beitrag erläutern, dass der Graben, der zwischen alternativen Heilmethoden und der Schulmedizin zu tief ist und wir ihn überwinden sollten. Die TCM lehrt uns, dass alles auf dieser Welt zusammen gehört. Das Licht und das Dunkel, das Langsame und das Schnelle und auch alle Nuancen der Heilkunst, die uns auf dieser Erde angeboten werden.
Das ist einer der Gründe, aus denen ich hier schreibe und hier bin.
Wir sind alle Teil eines Ganzen. Habt keine Angst voreinander.
Wir alle suchen Frieden und Ruhe. Lasst uns in uns selbst Ruhe einkehren lassen, damit wir alle zusammen Frieden finden können.
Eine Möglichkeit, um Ruhe und Frieden zu finden ist für mich Qi Gong.